E-Zigaretten: Was wir heute wissen und warum Prävention entscheidend ist

13.02.2026 E-Zigaretten sind seit Jahren Teil des öffentlichen Diskurses rund um Nikotin und Rauchen. Zwar enthalten sie im Vergleich zu konventionellen Zigaretten häufig weniger Teer, doch sie sind keineswegs risikolos. Erste Studien haben neue Erkenntnisse über Wirkung, Sicherheit und Langzeitauswirkungen aufgezeigt. Angesichts steigender Nutzungsraten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist Prävention wichtiger denn je.

Elektronische Zigaretten erzeugen oft eine Dampfentwicklung statt Rauch. Die enthaltenen Substanzen - Nikotin, Aromastoffe, erhebliche Mengen Propylenglykol und Glycerin - können Atemwege reizen, Entzündungen fördern und das Lungengewebe beeinflussen. Nikotin ist stark suchtfördernd und wirkt sich schädlich auf Herz-Kreislauf-System und Gehirnentwicklung, insbesondere bei Jugendlichen, deren Gehirn sich noch formt, aus. Studien zeigen unterschiedliche Auswirkungen: Entzündunngen der Bronchien, Beeinträchtigung der Lungenabwehrfunktion sowie toxidativer Stress auf Zellebene. Langfristig bleiben viele Fragen offen und die Sorge vor chronischen Lungenerkrankungen und beeinträchtigter Lungenfunktion ist real. 


Chefarzt Dr. Joachim Zerbst

 

 

Das Gefahrenprofil der E-Zigaretten umfasst mehrere Ebenen. Nikotinabhängigkeit zeigt sich bereits bei geringen Nikotinmengen und trainiert das Belohnungssystem des Gehirns, was eine spätere Sucht schwer kontrollierbar machen kann. Reizstoffe und Feinstaub im Aerosol („Liquid“) können die Atemwege reizen, zu Schleimproduktion führen und vorhandene Atemwegserkrankungen wie Asthma oder Bronchitis verschlimmern. Darüber hinaus erhöht Nikotin die Herzfrequenz und den Blutdruck, wodurch das Risiko für Herzerkrankungen steigt – insbesondere bei regelmäßiger Nutzung. Jugendliche Nutzer weisen oft eine größere Risikobereitschaft auf, und eine frühe Exposition kann langfristige Auswirkungen auf die Lungenfunktion und die Suchtentwicklung haben. Viele Menschen glauben weiterhin, E-Zigaretten seien sicher oder völlig harmlos; die wissenschaftliche Evidenz sagt jedoch eher: Sie sind potenziell weniger schädlich als herkömmliche Zigaretten, aber nicht harmlos!

Deshalb sind Präventionsmaßnahmen wichtiger denn je: Aufklärung in Schulen und Familien, klare Kommunikation über Risiken, Unterstützung beim Ausstieg und eine Regulierung des Verkaufs an Minderjährige. Transparenz bei Inhaltsstoffen ist ebenso wichtig wie die Regulierung von Werbung und Verfügbarkeit.

Medizinische Einrichtungen spielen eine zentrale Rolle durch Screenings, Beratung und Hilfsangebote bei Abhängigkeit. In der Pneumologie ergeben sich durch den Dampf neue, oft unspezifische Symptome, weshalb Patient*innen mit Atemwegsbeschwerden gezielt nach der Nutzung von E-Zigaretten gefragt werden. Früherkennung von entzündlichen Prozessen und eine individuelle Therapie stehen dabei im Fokus.

Ein Interview mit Dr. Zerbst zum Thema "Mehr als nur Dampf - Was sagt die Medizin zum Vapen" kann im Potcast KomA-Saufen angehört werden.

(klm/ak)