Verletztes Mädchen aus Afghanistan erfolgreich behandelt

10.11.2025 5.000 Kilometer, 12 Flugstunden und viel Heimweh - doch das Lächeln bleibt! Kassa (Name von der Redaktion geändert) ist zur Behandlung aus Afghanistan in das Meppener Krankenhaus gekommen. Dr. Kai Günsche und sein Team haben dem zehnjährigen Mädchen wieder zum Laufen verholfen.

Was für Menschen in Deutschland Alltag ist, ist für viele Menschen in Kriegs- und Krisengebieten ein oft unbezahlter Luxus: medizinische Versorgung. Krankheiten und Verletzungen können häufig vor Ort nicht behandelt werden.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten engagiert sich das Krankenhaus Ludmillenstift für die  medizinische Versorgung von Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten, die von der Initiative „Friedensdorf International“ organisiert wird. Seit 2023 befand sich die zehnjährige Kassa aus Afghanistan in stationärer Behandlung. Sie ist eine von hunderten kranken oder verletzten Kindern, die jährlich zur medizinischen Versorgung nach Deutschland einreisen. Kassa kam in einem sehr schlechten körperlichen Zustand in die Meppener Klinik. Nach einem offenen Oberschenkelbruch blieb eine erste Operation in ihrer Heimat ohne Erfolg – der Bruch heilte nicht aus und führte zu einer hochgradigen Entzündung. Bakterien und Keime besiedelten die Wunde, die den Behandlungsverlauf in Deutschland deutlich erschwerten. „Diese Art der Wunde ist fast immer auf schlechte Hygieneverhältnisse zurückzuführen. Welche Verletzung die Ursache für Kassas Oberschenkelbruch war, wissen wir nicht.“, so Dr. Kai Günsche, Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie.  Damit alle Keime beseitigt werden konnten, bekam Kassa eine langandauernde Antibiotikatherapie. Das junge Mädchen musste mehrere Wochen isoliert werden, da die Bakterien und Keime hoch ansteckend waren. Begleitend wurde auch die Regeneration des Knochens vorgenommen.

In insgesamt siebzehn Operationen, innerhalb der vergangenen zwei Jahren, wurde zunächst der entzündete Knochen mit den im Heimatland fixierten Stabilisatoren entfernt und die entstandene Höhle mit einer Zementblombe gefüllt und von einem äußeren Spanner gehalten. Nach mehreren Wochen wurden das Füllmaterial gegen eine Platte mit Knochenersatz getauscht.

Schon nach wenigen Wochen konnte die lebensfrohe Kassa das betreffende Bein immer mehr belasten. Bis die Wunden vollständig verheilt sind, wird es noch einige Wochen dauern. „Wir freuen uns, dass Kassa wieder selbstständig laufen kann, wenngleich auch mit Unterarmgehstützen.“, betont der Chefarzt. Aufgrund der unterschiedlichen Beinlängen muss Kassa ihr Leben lang einen einseitigen Maßschuh mit Erhöhung tragen.

Während der wochenlangen Krankenhausaufenthalte wurde das kleine Mädchen auf der Kinderstation pflegerisch versorgt und liebevoll betreut. „Mit Beginn an bauen wir eine Beziehung zu dem Kind auf, ob wir wollen oder nicht. Aufgrund dessen, dass sie ganz alleine in Deutschland zurecht kommen musste, ohne familiäre emotionale Unterstützung, ist sie uns sehr ans Herz gewachsen, auch an schlechten Tagen, wenn die kleine Patientin keine gute Laune hatte.“, erklärt Stefanie Knoll, pflegerische Bereichsleitung der Kinderklinik, mit einem Lächeln im Gesicht. Bei der Verabschiedung Ende Oktober hat sich Kassa mit einem liebevoll rührenden Brief bei den Schwestern bedankt.

Kassa auf dem Weg in ihrem Heimatland. (Fotograf: Jan Jesse)

Kassa auf dem Weg in das Friedensdorf. (Fotograf: Andre Hirtz)

Das klinische Team mit Kassa und dem Vertreter vom Friedensdorf.

Der Abschiedsbrief von Kassa an das Pflegepersonal.

„Stellvertretend für das gesamte Behandlungsteam wünscht Dr. Günsche der tapferen Kassa, dass sie nach der Rückkehr in ihre Heimat und zu ihrer Familie ein schmerzfreies Leben führen kann, als es ihr bisher möglich war.“

Die Hilfsorganisation „Friedensdorf International“ holt seit 1969 Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten zur medizinischen Versorgung vorübergehend nach Deutschland und kooperiert dafür mit zahlreichen Krankenhäusern, welche die kleinen Patientinnen und Patienten behandeln . Die sehr hohen Behandlungskosten tragen die Krankenhäuser alleinig.

(klm/ak)

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