Sternenkinder - Du bist nicht alleine
Manche Kinder begleiten uns nur für einen sehr kurzen Moment – und hinterlassen dennoch Spuren, die für immer bleiben. Sternenkinder sind Kinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt versterben. Ihr Leben war zu kurz, um Erinnerungen im herkömmlichen Sinn zu schaffen, und doch sind sie unauslöschlich Teil der Familien, die sie erwartet und ersehnt haben. Statistisch gehört zu jeder 5. Familie ein Sternenkind. (Quelle: Destatis vom 16.03.2026)
Für Eltern und Angehörige bedeutet der Verlust eines Sternenkindes unermesslichen Schmerz. In dieser schweren Zeit möchten wir Sie nicht allein lassen. Unser Ludmillenstift bietet Raum für Trauer, für Rückzug, für Erinnerungen – und für liebevolle Begleitung auf jedem Schritt des Abschieds, z. B. im “Zeitraum”.
Unser Team aus Hebammen, Pflegekräften, Ärzt*innen und Seelsorgenden steht Ihnen einfühlsam zur Seite. Gemeinsam helfen wir Ihnen, Wege zu finden, mit diesem Verlust umzugehen, Ihrem Kind einen Platz in Ihrem Leben und Herzen zu geben und den Abschied so zu gestalten, wie es für Sie richtig ist.
Jedes Kind verdient es, gesehen, erinnert und geliebt zu werden – auch wenn es viel zu früh zu den Sternen reisen musste.
Für betroffene Eltern - „Ich habe ein Sternenkind“
In diesem Moment, in dem die Welt stillzustehen scheint, gibt es kein Richtig oder Falsch. Was auch immer Sie jetzt fühlen oder nicht fühlen – es ist in Ordnung. Trauer hat keine Regeln, und jeder Weg durch diesen Schmerz ist einzigartig.
Sie dürfen sich Zeit nehmen
Wenn Sie möchten, können Sie bei Ihrem Kind bleiben – so lange Sie brauchen. Viele Eltern empfinden es als tröstlich, ihr Baby im Arm zu halten, es anzuschauen, Fotos machen zu lassen oder Hand- und Fußabdrücke anzufertigen. Diese Erinnerungen können später von unschätzbarem Wert sein. Unser Team unterstützt Sie dabei behutsam und ohne Zeitdruck.
Es ist auch völlig in Ordnung, wenn Sie sich anders entscheiden. Manche Eltern brauchen zunächst Abstand, andere können oder wollen ihr Kind nicht sehen. Beides ist eine legitime Form des Umgangs mit diesem unfassbaren Verlust.
Praktische Schritte, für die wir da sind
In den ersten Stunden und Tagen nach dem Verlust gibt es auch praktische Dinge zu regeln, die überwältigend wirken können:
- Bestattung: Auch sehr kleine Kinder können bestattet werden. Wir informieren Sie über Ihre Möglichkeiten – von einer individuellen Bestattung bis hin zu gemeinschaftlichen Beisetzungen, die wir vom Krankenhaus mit den Seelsorgenden anbieten.
- Erinnerungsstücke: Neben Fotos und Abdrücken können Sie auch eine Haarlocke, das Namensband oder die ersten Kleidungsstücke aufbewahren.
- Geburtsurkunde und Standesamt: Je nach Schwangerschaftswoche gelten unterschiedliche Regelungen. Wir helfen Ihnen, die notwendigen Schritte zu verstehen.
- Mutterschutz und rechtliche Fragen: Auch nach einer Fehl- oder Totgeburt stehen Ihnen unter Umständen Mutterschutzfristen zu. (siehe: https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/aktuelles/alle-meldungen/gestaffelter-mutterschutz-bei-fehlgeburten-in-kraft-getreten-265316 )
Sie müssen nicht sofort entscheiden
Manche Entscheidungen können noch warten. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen – weder von außen noch von sich selbst. Unser Team begleitet Sie behutsam und erklärt Ihnen alle Optionen, damit Sie in Ihrem eigenen Tempo entscheiden können.
Hilfreiche Kontakte:
- Trauergruppe “verwaiste Eltern” unseres Hospiz-Vereins Meppen
- Bundesverband Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e.V.: www.veid.de
- Initiative Regenbogen „Glücklose Schwangerschaft" e.V.
Was in Ihrem Körper geschieht…
Nach dem Verlust eines Kindes durchleben Sie nicht nur emotionale, sondern auch körperliche Veränderungen. Ihr Körper hatte sich auf ein Leben vorbereitet – und muss nun einen anderen Weg gehen. Das kann verwirrend, schmerzhaft und sich manchmal sogar wie ein Verrat anfühlen.
Unsere Frauenärzt*innen führen mit Ihnen ein Gespräch, in dem Sie alle Fragen stellen können.
Die emotionale Achterbahn
Trauer ist keine gerade Linie. Sie kommt in Wellen, manchmal unerwartet und überwältigend. Vielleicht fühlen Sie:
- Tiefe Traurigkeit und Leere
- Wut – auf Ihren Körper, (auf das Schicksal,) auf andere Menschen, auf Gott
- Schuldgefühle, auch wenn Sie nichts falsch gemacht haben
- Neid auf andere Schwangere oder Eltern
- Taubheit oder das Gefühl, zu funktionieren, aber nicht wirklich da zu sein
- Momente von Erleichterung oder sogar Lachen – und dann wieder Schuldgefühle deswegen
All das ist normal. Trauer ist so individuell wie Liebe.
Paare trauern unterschiedlich
Wenn Sie einen Partner oder eine Partnerin haben: Beide haben das gleiche Kind verloren, aber jede*r trauert anders. Manche brauchen viel Nähe, andere Abstand. Manche reden viel, andere werden still. Das kann zu Missverständnissen oder dem Gefühl führen, allein zu sein, obwohl man zu zweit ist. Versuchen Sie, offen über Ihre Bedürfnisse zu sprechen – und gestehen Sie auch dem anderen Menschen eigene Wege der Trauer zu.
Professionelle Unterstützung
Es ist kein Zeichen von Schwäche, sich Hilfe zu holen. Im Gegenteil:
- Trauergruppen: Der Austausch mit anderen betroffenen Eltern kann sehr entlastend sein. (z. B. Trauergruppe “Verwaiste Eltern”
- Begleitung durch unsere Seelsorgenden: Unsere Seelsorgenden stehen Ihnen in Gesprächen bei, auch wenn Sie schon aus dem Krankenhaus entlassen sind.
- Psychologische Begleitung: Auf dieser Seite finden Sie Informationen und Hilfen: https://www.116117.de/de/psychotherapie.php oder Sie fragen bei Ihrer Krankenkasse, diese vermittelt auch an Therapeut*innen
- Paarberatung: Manchmal hilft es, gemeinsam mit professioneller Begleitung durch diese schwere Zeit zu gehen. (s.o.)
Wann sollten Sie unbedingt Hilfe suchen?
Wenn Sie über längere Zeit Suizidgedanken haben, wenn Sie nicht mehr essen oder schlafen können, wenn Sie sich selbst verletzen möchten oder wenn die Trauer Sie völlig handlungsunfähig macht – dann zögern Sie bitte nicht, sich sofort Hilfe zu holen.
Hilfreiche Kontakte:
- Telefonseelsorge (kostenfrei, rund um die Uhr): 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222
- Psychotherapeutische Beratung: Ihre Krankenkasse vermittelt Therapeut*innen
- St. Vinzenz-Hospital, wenn Sie psychiatrische Unterstützung benötigen
Kinder einbeziehen – wenn sie möchten
Manche Geschwisterkinder möchten das verstorbene Baby sehen, ein Bild malen, einen Brief schreiben oder bei der Abschiedszeremonie dabei sein. Andere möchten das nicht. Beides ist in Ordnung.
Bieten Sie Möglichkeiten an, ohne Druck auszuüben:
- „Möchtest du ein Bild für dein Geschwisterchen malen?"
- „Wir können zusammen eine Kerze anzünden."
- „Möchtest du das Baby sehen? Du darfst, aber du musst nicht."
Kinder trauern anders
Kinder springen oft zwischen Trauer und normalem Spielen hin und her. Sie können in einem Moment weinen und im nächsten lachen und herumtoben. Das ist ihre natürliche Art, mit Überforderung umzugehen – und kein Zeichen von Gefühllosigkeit.
Geben Sie Ihren Kindern Sicherheit
In Krisenzeiten brauchen Kinder vor allem eines: die Gewissheit, dass sie sicher sind und dass Sie für sie da sind – auch wenn Sie traurig sind.
Sagen Sie ihnen:
- „Es ist okay, dass du traurig bist. Ich bin auch traurig."
- „Du darfst trotzdem spielen und Spaß haben."
- „Ich bin für dich da, auch wenn ich manchmal weine."
- „Ich hab dich lieb."
Wenn Sie gerade nicht können
Es ist völlig normal, dass Sie in tiefer Trauer manchmal nicht die Kraft haben, so für Ihre Kinder da zu sein, wie Sie es gerne wären. Holen Sie sich Unterstützung von Familie, Freund*innen oder professionellen Helfer*innen. Ihre Kinder brauchen Stabilität – und die kann vorübergehend auch von anderen Menschen kommen.
Trauerbegleitung für Kinder
Es gibt spezialisierte Angebote für trauernde Geschwisterkinder:
- Kindertrauergruppen, in denen sie mit anderen betroffenen Kindern sprechen können
- kindgerechte Bilderbücher zum Thema Tod und Abschied z. B. „Abschied von Mama", „Wo gehst du hin, Opa?", „Und was kommt dann?" (altersgerecht aufbereitet)
- kreative Trauerarbeit durch Malen, Basteln oder Geschichten
Kindergarten und Schule informieren
Überlegen Sie, ob Sie die Erzieher*innen oder Lehrkräfte informieren möchten. Diese können Ihr Kind im Alltag besser auffangen und verstehen, wenn es sich anders verhält als gewohnt.
Kontakt
Geburtshilfe
Sekretariat Geburtshilfe
Tel. 05931 1521491
Telefonisch erreichbar Mo-Do 8:00 - 16:00 Uhr, Fr 8:00 - 13:00 Uhr
Kreißsaal
Tel. 05931 1523970
Täglich rund um die Uhr erreichbar
Gynäkologie
Sekretariat
Tel. 05931 152-1470
Fax 05931 152-1479
gynaekologie@ludmillenstift.de
Maike R. Hofmann - Ev. Krankenhausseelsorgerin
Tel. 05931 152-4534
hofmann@ludmillenstift.de
Petra Kleene - Kath. Krankenhausseelsorgerin
Tel. 05931 152-3966
kleene@ludmillenstift.de