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„Sterben und Tod sind längst in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen, täglich werden Bilder und menschliche Tragiken dazu medial verbreitet. Und doch stellt sich die Frage, wie wir uns als Gesellschaft dazu verhalten und wie wir uns nicht nur den Machbarkeiten, sondern auch den Ohnmachten, die den Menschen am Lebensende ereilen, stellen wollen. Ist es nicht längst überfällig, im Sinne einer "Demokratisierung der Sorge" eine Haltung zu kultivieren zu dem, was das Leben oft verzweifelt und gebrochen sein lässt?"

 

Mit diesen einleitenden Impulsen begrüßte Dr. Carmen Breuckmann-Giertz, Vorsitzende der Hospiz-Hilfe Meppen sowie der Hospiz Stiftung Niedersachsen das Podium und die zahlreich erschienenen Zuhörer im Atrium des Krankenhauses Ludmillenstift. Rund 200 Gäste waren der Einladung der Hospizhilfe Meppen, der Hospiz Stiftung Niedersachsen und des Meppener Krankenhauses gefolgt, um der Frage nachzugehen, wie ein würdevolles Leben auch mit einer Krankheit bis zum Schluss möglich sein kann. Die Diskussionsveranstaltung fügte sich damit ein in die ökumenische „Woche für das Leben“ sowie in den Kontext der Bundestagsdebatte zur Frage nach der gesetzlichen Freigabe des ärztlich assistierten Suizids.
 
„Ich bin überwältigt von der großen Resonanz und freue mich, dass wir heute Abend unseren Beitrag dazu leisten können, das Thema „Sterben in Würde“ aus ganz unterschiedlichen Bereichen zu beleuchten“, unterstrich Lothar Küttner, Kuratoriumsvorsitzender der Hospiz Stiftung Niedersachsen, die Notwendigkeit einer solchen Veranstaltung.
 
Marina Hülsebus, Fachanwältin für Sozialrecht, Burkhard Jasper, Landtagsabgeordneter, Dr. med. Dietrich Keller, Chefarzt der  Anästhesie und Intensivmedizin am Borromäus-Hospital in Leer, Stefanie Olliges, Krankenschwester, Lehrerin für Pflegeberufe und Hospizhelferin in Sögel und Johannes Wübbe, Weihbischof des Bistums Osnabrück stellten sich unter der Moderation von Ludger Abeln der Diskussion. In fachlich versierter Weise und zugleich dem Podium zugewandter Art schaffte Ludger Abeln es, die Podiumsgäste durch die virulenten Fragestellungen des Themas zu führen und zugleich auf zunehmende Fragen aus dem Publikum einzugehen.

 

 Von links: Weihbischof Johannes Wübbe, MdL Burkhard Jasper, Moderator Ludger Abeln, Fachanwältin Marina Hülsebus, Chefarzt Dr. med. Dietrich Keller, Dozentin und Pflegekraft Stefanie Olliges, Hospiz-Kuratoriumsvorsitzender Lothar Küttner, Ludmillenstift-Verwaltungsdirektor Wilhelm Wolken und Hospiz-Vorsitzende Dr. Carmen Breuckmann-Giertz.

 
Aus politischer Sicht stand zunächst der Aspekt im Raum, wie die gesetzliche Regelung des ärztlich assistierten Suizids Ende 2015 in Deutschland aussehen soll. „Es geht bei dem geplanten Hospiz- und Palliativgesetz nicht um die aktive Sterbehilfe, sondern darum, ob der assistierte Suizid in Zukunft unter Strafe steht“, machte Marina Hülsebus deutlich. „Es gibt so viele unterschiedliche Moralvorstellungen, jeder Tod eines Menschen ist tragisch und individuell. Der Bundestag könnte dem niemals gerecht werden, wenn er beanspruchen würde, qua Gesetz Zuneigung zu verordnen. Es ist lediglich möglich, Grenzen zu setzen und einen Rahmen festzulegen.“ Jasper fügte hinzu, dass sich auch der Landtag nach jüngster Anhörung deutlich dafür ausgesprochen habe, politisch in Niedersachsen unbedingt den Wert der Palliativen Versorgung im pflegerischen wie im medizinischen Bereich zu schützen und ausbauen zu wollen.
 
Rund 200 Gäste waren der Einladung der Hospiz-Hilfe Meppen, der Hospizstiftung und des Ludmillenstifts gefolgt.

 

Mehr Zeit für Zuneigung wünschte sich der Chefarzt Dr. med. Dietrich Keller. Die Fürsorge sollte wieder mehr im Fokus stehen: „In unserer so perfekten Welt muss es erlaubt sein, hilfsbedürftig zu sein. Leider gibt unser System das nicht her, da von uns wirtschaftliches Arbeiten gefordert wird. Jemandem beizustehen und ihn am Ende zu begleiten, ist in unserem Abrechnungssystem nicht vorgesehen. Es scheint, als seien Sterbende einfach nicht mehr Teil der Wertschöpfungskette“, warnte er.
 
Ergänzend zu dieser medizinisch kritischen Stimme äußerte sich auch Weihbischof Wübbe: „Jeder Mensch hat ein unantastbares Lebensrecht und jeder hat das Recht auf ein würdiges Sterben." Doch wie verhält es sich mit Menschen, die schwer krank sind, deren Leben nur noch ein Leiden ist? „Hier muss wirklich ganz individuell geschaut werden, ob ein Leben in Würde noch möglich ist. Grundsätzlich sollten wir nicht eine Hilfe zum Sterben sein, sondern Hilfe im Sterben leisten.“ 
 

 

Sich mit der eigenen Sterblichkeit auseinanderzusetzen und das Thema auch in der Familie zu besprechen, findet Marina Hülsebus besonders wichtig. „Überlegen Sie sich genau, wie Sie behandelt werden möchten. Werden Sie dabei so konkret wie möglich. Nur so können Sie sicherstellen, dass Ihre Wünsche respektiert werden. Außerdem ist es für Ihre Angehörigen eine enorme Hilfe.“ 
 
In fachlich versierter Weise und zugleich dem Podium zugewandter Art schaffte Ludger Abeln es, die Podiumsgäste durch die virulenten Fragestellungen des Themas zu führen und zugleich auf zunehmende Fragen aus dem Publikum einzugehen.

 

Stefanie Olliges ging auch auf die Pflegekräfte ein, die unweigerlich immer wieder mit dem Thema Tod konfrontiert werden: „Wir müssen gerade junge Pflegekräfte langsam an das Thema heranführen und ihnen zeigen, wie wichtig es ist, sich mit Kopf, Herz und Hand um Sterbende zu kümmern.“ Keller ergänzte, dass für die Leistbarkeit der Nähe und Zuwendung die Hospizarbeit ein wertvoller unterstützender Part im Alltag von Medizin und Pflege sei. "Trauern und Sterben braucht Zeit und einen Ort", so der engagierte Mediziner.
 
Und obwohl die Podiumsteilnehmer aus so unterschiedlichen Bereichen kamen, waren sich doch alle in einem Aspekt einig: Am Ende geht es um die Achtung des Individuums als Patient, als Geschöpf Gottes und als Mensch. "Manchmal kann es scheinen, als käme der Diskurs zur Begleitung eines Menschen am Lebensende einem Spagat der Hilflosigkeit gleich, weil so viele verschiedene Perspektiven berücksichtigt und zusammengeführt werden müssen. Aber - so sagte Fritz Roth - Trauern ist eine Form von Lieben. Wenn es gelingen kann, diese Liebe für den Menschen auch dann noch zu wahren, wenn das Leben bricht und schwer ist, dann wird damit eine ethische Haltung echter Sorge sichtbar, um gemeinsam Würde und Autonomie des Einzelnen bis zum Schluss zu schützen", resümierte Dr. Carmen Breuckmann-Giertz.

 

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