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Für den kleinen Amjad Al-Nuzuaili war die Kinderstation C02 im Krankenhaus Ludmillenstift in den vergangenen beiden Jahren wie ein zweites Zuhause. Mehr als zehn Operationen hat der Junge in dieser Zeit hinter sich gebracht. Nun kehrt Amjad in seine Heimat in den Jemen zurück. Mit sieben Jahren war er über das Hammer Forum nach Deutschland gekommen, um im Ludmillenstift in Meppen behandelt zu werden. Er hatte sich beim Spielen am rechten Bein verletzt, das Schienbein hatte sich so stark entzündet, dass Teile davon entfernt werden mussten.

 

 

Ein Ringfixateur und der Rollstuhl gehörten lange Zeit zu ihm. Damit flitzte er oft über die Station und hielt Ärzte, Pflegekräfte und Erzieher auf Trab. Immer wieder musste er operiert werden, um das Bein zu strecken. Mit dem Ringfixateur wurde in den vergangenen Monaten das Schienbein ganz langsam verlängert. „Der Knochen wurde über Schrauben, die außen an dem Fixateur angebracht sind, immer wieder leicht auseinander gezogen“, erklärt Oberärztin Bettina Geerdes. Sie war gerade in den vergangenen Monaten Amjads Ansprechpartnerin und immer für den Jungen da. „Insbesondere im letzten halben Jahr hat Amjad große Fortschritte gemacht“, freut sich Chefarzt Dr. med. Kai Günsche.

 

 

Amjad (Mitte) umgeben von dem Team aus Ärzten und Pflegekräften, das ihn in den letzten zwei Jahren begleitet hat.

 

Der Ringfixateur ist seit zwei Monaten Vergangenheit, nun trägt Amjad einen speziell nach den Vorgaben des Orthopäden Dr. med. Ulrich Hafkemeyer für ihn angefertigten Schuh, den die Orthopädische Werkstatt Kramer kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Jetzt muss Amjad üben, mit Gehhilfen zu laufen. Er ist noch etwas wackelig und manchmal geht es ihm nicht schnell genug, dann fängt Amjad an zu hüpfen, wie vor zwei Jahren, als er mit seinem Gips über die Station hopste. „Amjad ist uns in den letzten zwei Jahren sehr ans Herz gewachsen“, berichtet Stationsleiterin Reinhild Skibicki. Weihnachten, Ostern, Geburtstage – viele Feiertage verbrachte Amjad im Krankenhaus, die Zeiten zwischen den Krankenhausaufenthalten war er bei einer türkischen Gastfamilie in Lippstadt. Die Pflegekräfte Theresa Kotte und Kerstin Beyer sowie Erzieherin Kerstin Pieters sind seine besten Freundinnen auf der Kinderstation. Ob Kickern, Karten spielen oder Basteln – Amjad war immer mit Begeisterung dabei. „Meistens habe ich gewonnen. Letztes Mal habe ich allerdings geschummelt und trotzdem verloren“, verrät der Neunjährige, der die deutsche Sprache mittlerweile perfekt beherrscht. Auch Kinobesuche, Eis essen oder Aufführungen der Freilichtbühne standen in den vergangenen Monaten auf dem Programm. Das Speelwerk war außerdem mit im Boot. Der Verein setzt sich für die kleinen Patienten im Ludmillenstift ein und kümmert sich insbesondere um Kinder aus Krisengebieten, die in Meppen behandelt werden. „Dank vieler Spenden konnten wir Amjad mit Kleidung ausstatten und einige neue Spielsachen anschaffen. Als er zu uns kam, hatte er nur wenig bei sich“, berichtet Erzieherin Kerstin Pieters.

 

Am Dienstag ist Amjad nach Hause geflogen, zurück in die Shamin-Zone in den Jemen. Dort wird er seine Eltern und seine fünf Geschwister das erste Mal nach zwei Jahren wiedersehen. „Die arabische Sprache fällt ihm schon ein bisschen schwer, aber er hatte viel Kontakt zu arabischen Ärzten und wir haben mit ihm heimatliche Bräuche gepflegt oder auch mal arabisches Essen besorgt“, erzählt Schwester Theresa Kotte. Trotzdem wird sein Zuhause ihm zunächst sicher erst einmal fremd sein. „Aber Amjad ist so ein aufgeweckter, intelligenter und tapferer Junge. Er wird sich schnell wieder einleben“, ist sich Schwester Reinhild Skibicki sicher. Dem Team im Ludmillenstift wird er jedenfalls lange in Erinnerung bleiben.

 

 

 


 

 


 

 

 

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