Babygalerie

Mehr als 150 Ärzte, Hebammen, Lehrkräfte, Sozialarbeiter und Erzieher sind in diesen Tagen in der Aula der Johannesschule zusammengekommen. Unter dem Titel „Verletzungen bei Kindern - Unfall? Krankheit? Misshandlung“ hatte das Haus Prof. Dr. med. Anette Solveig Debertin als Referentin gewinnen können. Sie ist Leiterin der Kinderschutzambulanz des Institutes für Rechtsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Eingeladen hatte Dr. med. Jan-Gerd Blanke, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin und Neonatologie am Krankenhaus Ludmillenstift.

 

Die Dunkelziffer für Kindesmisshandlungen und Kindesmissbrauch ist mit jährlich 3.500 Anzeigen und über 12.400 Anzeigen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern immer noch erschreckend hoch. „Leider werden viele Fälle erst sehr spät erkannt. Die überwältigend große Teilnehmerzahl heute zeigt uns, wie groß die Unsicherheit auch für uns im beruflichen Alltag ist“, betonte Dr. med. Jan-Gerd Blanke während der Begrüßung. Hinweisende Zeichen würden häufig auch von denen, die mit Kindern zu tun haben, übersehen oder zu spät erkannt.

 

Dr. med. Jan-Gerd Blanke bei der Begrüßung. Prof. Dr. med. Anette Solveig Debertin und Dr. med. Jan-Gerd Blanke. Prof. Dr. med. Anette Solveig Debertin stellte in ihrem Vortrag dar, bei welchen typischen Verhaltens- oder Verletzungsmustern man hellwach werden sollte.

 

Prof. Dr. med. Anette Solveig Debertin stellte in ihrem Vortrag dar, bei welchen typischen Verhaltens- oder Verletzungsmustern man hellwach werden sollte, um denen zu helfen, die sich nicht selbst helfen können und bei welchen keine Misshandlung vermutet werden muss, um so falsche Verdächtigungen zu verhindern. Sie erinnerte dabei an das 2012 neu geschaffene Bundeskinderschutzgesetz, das Prävention und Intervention im Kinderschutz gleichermaßen voranbringt und alle Akteure stärkt, die sich für das Wohlergehen von Kindern engagieren - angefangen bei den Eltern, über den Kinderarzt oder die Hebamme bis hin zum Jugendamt oder Familiengericht.

 

Mehr als 150 Gäste verfolgten den Vortrag. Unterschiedliche Berufsgruppen, wie Ärzte, Hebammen, Lehrkräfte, Sozialarbeiter und Erzieher nahmen teil. Dr. med. Jan-Gerd Blanke bedankte sich bei Prof. Dr. med. Anette Solveig Debertin.


Die Referentin zeigte außerdem auf, welche Ausreden häufig benutzt würden, um von einer Misshandlung abzulenken. So werde oft angeführt, das Baby sei vom Wickeltisch gefallen, das Verletzungsmuster weise aber eindeutig auf Gewalteinwirkung hin. Auch der zeitlich verzögerte Gang zum Arzt oder das Verwickeln in Ungereimtheiten könnten Hinweise auf Gewalt sein. Typisch seien Verletzungen am Oberkopf, am Rücken, an den Augen, den Wangen oder am Gesäß. „Doch da Kinder sich beim Spielen und Toben oft auch verletzen, sollte jede Diagnose absolut sicher sein“, erläuterte Debertin. „Dazu gehört auch eine kindgerechte Ganzkörperuntersuchung in ruhiger Atmosphäre, damit das Kind nicht noch zusätzlich belastet wird.“

 

Abschließend führte sie an, wie wichtig eine interdisziplinäre Zusammenarbeit der einzelnen Berufsgruppen sei: „Um sicherer zu werden in der Beurteilung von Auffälligkeiten und dann auch entsprechende Hilfen zu aktivieren, müssen wir lernen und kooperieren. Wir müssen die, die sprachlos leiden, ausmachen und ihnen Hilfe geben.“

 

Prof. Debertien hat mit dem „Projekt Kinderschutz“ an der MHH eine Institution gegründet, die Ärzten bei Verdachtsfällen von Kindesmisshandlung und -missbrauch zur Seite steht. In der Außenstelle in Oldenburg ist außerdem das Netzwerk ProBeweis eingerichtet worden, eine Untersuchungsstelle für Gewaltopfer der Medizinischen Hochschule Hannover (Telefon: 0176 153 245 72). Mit der Kinderschutzambulanz bietet die Rechtsmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover und einer Außenstelle in Oldenburg in den Räumen der Institute zentrale Anlaufstellen mit festen kompetenten Ansprechpartnern, um niedergelassenen und klinisch tätigen Ärztinnen und Ärzten bei einer möglichen Diagnose von Kindesmisshandlung und -missbrauch kostenlose Beratung und Unterstützung zu geben und eine schnelle beweissichernde, gerichtsverwertbare Dokumentation, Begutachtung und Interpretation von Verletzungen und Spurensicherung zu ermöglichen. Die Ambulanz ist unter der Nummer 0511 532 5533 ein telefonischer Rufdienst (Mo – Do von 8.00 – 16:00 Uhr, Fr von 08:00 – 14:00 Uhr) im Sinne einer „Hotline Kinderschutz“ für eine zeitnahe Alarmierung und fachlich kompetente Beratung erreichbar.

 


 


 

 


 

 

 

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